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Der Derby-Zweite Earl of Tinsdal gewinnt den Rheinland-Pokal für Hamburger Besitzer

Autor: 
Daniel Delius

Fünf Wochen nach dem IDEE 142. Deutschen Derby landete der Zweitplatzierte Earl of Tinsdal unter Jockey Eduardo Pedroza für den Hamburger Rennstall Sunrace Stables und Trainer Andreas Wöhler aus Gütersloh seinen ersten Gr. I-Sieg im Rheinland-Pokal. Drei Dreijährige auf den ersten drei Plätzen, im Ziel auch in der Reihenfolge, in der sie im Derby ins Ziel gekommen waren, somit ein weiterer Beweis dafür, dass der Jahrgang so schlecht nicht geraten ist. Was im Übrigen für ganz Europa gilt. Allerdings waren die älteren Kontrahenten in Köln nicht erste Wahl, ein Cavalryman ist nur noch ein Schatten seiner selbst.

Das soll die Leistung von Earl of Tinsdal nicht schmälern. Er gewann wie ein weiter steigerungsfähiges Pferd, wirkte in der entscheidenden Phase noch unreif. Er ist ein großer Galoppierer, der im Zweifel selbst geht und dem keine Distanz zu weit wird. Sein Phlegma kommt ihm sicher entgegen, er wirkt wie ein „Cup“-Pferd, das erst im kommenden Jahr richtig in Gang kommt, selbst wenn er in diesem Jahr schon zwei Gruppe-Rennen für sich entscheiden konnte. Der Handicapper bedachte ihn mit einer Marke von 98 kg, identisch mit der vom Derbysieger Waldpark (Dubawi). Es scheint im Moment nicht so, dass die beiden Stallgefährten dieses Jahr noch einmal aufeinandertreffen, denn Earl of Tinsdal soll nur noch einmal, im Preis von Europa (Gr. I) laufen. Dort hat auch der Ravensberger noch eine Nennung, doch tendiert man mit ihm nach dem unglücklichen Frankreich-Auftritt eher Richtung Baden-Baden.

Earl of Tinsdal war, wie hinlänglich bekannt, im Nachtragskatalog der BBAG-Herbstauktion 2009, doch nahm ihn sein Züchter Hannes K. Gutschow damals für 5.500 € wieder nach Hause, 15.000 € wollte er haben, das war nicht zu realisieren. Er blieb in der Familie. Sein Vater Black Sam Bellamy (Sadler’s Wells) war zum damaligen Zeitpunkt schon nicht mehr für Deutschland disponiert. Fünf Jahre war der rechte Bruder von Galileo auf dem Fährhof, von 2004 bis 2008. Die Zuchtnachweise des Verbandes verzeichnen 266 lebende Fohlen, das ist für deutsche Verhältnisse viel. Earl of Tinsdal ist sein vierter Gruppe-Sieger, nach Goathemala, Saphir (stammt auch aus einer Dashing Blade-Mutter) und Valdino, der erste auf Gruppe I-Ebene. Eine Enttäuschung war er ganz sicher nicht, aber er war (und ist) nicht unbedingt ein Hengst, deren Nachkommen den schnellen Erfolg haben. So konnte er in all den Jahren in Deutschland gerade einmal drei Zweijährigen-Sieger verzeichnen. Aus dem Jahrgang 2008, der mit 65 lebenden Fohlen sehr kopfstark ausgefallen ist, sind zweijährig nur sechs am Start gewesen. Heute ist Black Sam Bellamy im Shade Oak Stud einer von Englands gefragtesten National Hunt-Deckhengsten.  Mit den Nachkommen ist Geduld angesagt, sie sind eher als nachhaltig anzusehen.

Earthly Paradise, die Mutter von Earl of Tinsdal, die zunächst in den Farben des Stalles Blankenese lief, war zweijährig Zweite im Raffelberger Stutenpreis, gewann dreijährig über 1400 Meter in Mülheim. Sie startete mit dem bislang neunfachen Sieger Earlsalsa (Kingsalsa), der letztes Jahr ein Rating von 92,5 kg hatte, dann kam der im Ausgleich II erfolgreiche Earl of Winds (Samum), ein inzwischen sechsfacher Sieger, sowie Easy Tiger (Tiger Hill), klassisch platziert in der Slowakei. Gewonnen hat inzwischen auch die vier Jahre alte Ella Ransom (Ransom O’War). Nach dem „Earl“ folgte Emily of Tinsdal (Librettist), die im Herbst 2010 in Iffezheim für 8.000 € zurückgekauft wurde und für den Stall Tinsdal bei Torsten Mundry steht.  Am 5. März hat Earthly Paradise, die dazwischen ein Jahr nicht gedeckt wurde, einen Hengst von Sholokhov gebracht.

Earthly Paradise ist eine Schwester der sehr guten Zweijährigen Early Wings (Winged Love) und Easy Way (Dashing Blade) sowie von Empire Storm (Storming Home), Gr. III- und listenplatziert und mehrfach in Auktionsrennen vorne mit dabei. Ever Strong (Lomitas) hat das Auktionsrennen in Hamburg und zwei andere Rennen gewonnen, es gibt einen Jährlingshengst von Hurricane Run. Die nächste Mutter Emy Coasting (El Gran Senor), die eine amerikanische Familie vertritt und in den USA auch als Jährling für 75.000 $ durch den Ring ging, hat Gutschow im Oktober 1996 für 6.500 gns in Newmarket aus dem Stall von Trainer Paul Cole erworben. In England mehrfach platziert gelaufen, gewann sie bei nur drei Starts in Deutschland über 1400 bzw. 1600 Meter.  Die Linie ist, wobei es jeweils auf den väterlichen Einfluss ankommt, auf allen Distanzen zuhause.

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